„Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann

und worüber zu schweigen unmöglich ist.“

Dieser Satz von Victor Hugo charakterisiert die Stärke von Musik, insbesondere von Trauermusik. Was über Jahrhunderte in der Begräbnisliturgie selbstverständlich war, durch Requien und gemeinsame Kirchenlieder Halt in einer Situation der Haltlosigkeit zu gewähren und den individuellen Tod als einen Verlust für die Gemeinschaft zu betrauern, droht in unserer Zeit zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Wenn anstelle von Kirchenliedern CDs mit Popmusik gespielt werden, weist das auf einen fundamentalen Wandel unserer Rituale hin. Ein Wandel, der sich auch am Beispiel der Bestattung von Prominenten ablesen lässt. Während der Komponist Henry Purcell im 17. Jahrhundert für die Beisetzung von Queen Mary einen offiziellen Auftrag für einen schlichten Trauermarsch erhielt, ging Elton Johns Komposition „Candle in the wind“ bei der Beisetzung von Lady Diana als ergreifender Hit um die Welt. Auch wenn die Grenze zwischen Unterhaltungsmusik und Trauermusik brüchig geworden ist, bleibt die durch nichts zu ersetzende Bedeutung der Musik bei Trauerfeiern bestehen.
Bei all diesen Kompositionen geht es nicht nur um die musikalische Würdigung der Persönlichkeit des Verstorbenen, sondern auch um die psychologische Bedeutung der Musik für die Trauernden.
Denn Trauermusik spielt eine zentrale Rolle für die Abschiednahme. Sie erlaubt, gemeinsam zu schweigen und gibt Gefühlen Raum. Sie kann die Seele in einem Moment des Schmerzes berühren, Tränen zulassen, Trauernde trösten und beruhigen. Dabei hängt es von der Auswahl der Musikstücke ab, ob Gefühle freigesetzt oder auch aufgefangen werden. Heutzutage wünschen sich die Angehörigen häufig, dass bei einer Trauerfeier ein Lieblingslied des Verstorbenen gespielt wird, um Erinnerungen an besondere Momente in dessen Leben wachzurufen. Beeindruckend ist jedoch bei bewusstem Hören der Trauermusik aus verschiedenen Zeiten, dass viele Kompositionen bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren haben, sondern neue Begegnungen mit einer vielfältigen und reichen Musiktradition sowie Einsichten in die heilende Kraft von Musik und die rituelle Bedeutung angesichts der Grenzerfahrung der Sterblichkeit darstellen.

Dr. Kerstin Gernig, Kuratorium Deutsche Bestattungskultur, Düsseldorf

 

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– Trauerbriefe
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